Ökostrom im Test der Stiftung Warentest

Energiebewusste Verbraucher müssen bei der Auswahl ihrer Biostrom-Anbieter genau hinschauen. Nicht jeder Ökostromtarif trägt positiv zur Energiewende bei. Stiftung Warentest hat in den Jahren 2011 bis 2013 verschiedene Anbieter von Ökostrom unter die Lupe genommen. 19 bundesweite Biostromtarife haben die Tester benotet und die Ergebnisse in einem Testbericht zusammengefasst.

 

Im Vordergrund steht das „ökologische Engagement“ der Anbieter. Unterstützen sie den Wunsch ihrer Kunden, die Energiewende positiv mitzugestalten? Welche Tarifbedingungen bieten die Biostromanbieter, wie sind die Kündigungsfristen? Die von Stiftung Warentest getesteten Ökostromtarife erfüllen die Minimalanforderung von 100 Prozent Biostrom.

 

Ökostrom - Stiftung Warentest: Keine einheitliche Regelung

Damit Ökostromtarife die Energiewende positiv voranbringen können, müssen die Ökostromanbieter einen echten Umweltnutzen erkennen lassen. Dies ist der Fall, wenn die Ökostromtarife den konventionellen Strom vom Markt verdrängen und die Anbieter den Bau neuer Ökostromkraftwerke fördern.

 

Laut Stiftung Warentest unterstützen zwei von drei Biostromanbietern den Zubau aktiv. Sie investieren einen Teil ihres Gewinns in den Bau neuer Ökokraftwerke. In seltenen Fällen sind Kunden durch Aufpreistarife betroffen. Bevorzugt unterstützen Biostromanbieter den Ausbau erneuerbarer Energien durch ihre Versorgungsverträge. Diese beziehen Biostrom aus Ökokraftwerken, die ein bestimmtes Höchstalter nicht überschreiten, um Platz für moderne Ökokraftwerke zu machen.

 

Ok-power-Label, Grüner-Strom-Label & TÜV-Zertifikate

Es existiert keine einheitliche und gesetzlich festgelegte Definition von Ökostrom. Dieser Begriff ist nicht geschützt. Ferner wird Biostrom nicht in separate Leitungen eingespeist. So weiß am Ende kein Verbraucher, ob seine Lampe mit Atom-, Kohle- oder Ökostrom leuchtet. Die Tester sind nicht in der Lage, diesen Strom physikalisch einer bestimmten Produktionsart zuzuordnen. Bei der Vergabe durch Ökostromlabel, die den Stromanbietern eine Zubauwirkung bescheinigen, ist Stiftung Warentest kritisch. Die Zertifikate „Ok-power-Label“ und „Grüner-Strom-Label“ legen die höchsten Maßstäbe fest. Beide Biostromlabel werden von Umwelt- und Verbraucherverbänden vergeben.

 

Einige durch den TÜV-Süd vergebene Zertifikate garantieren einen Zubau regenerativer Energien innerhalb gewisser Grenzen. Der Effekt auf den Ausbau der erneuerbaren Energien ist nicht so vollumfänglich gegeben, wie sich das mancher Ökostromkunde vielleicht vorstellt. Dieses Testergebnis betrifft die Energieanbieter mit den Zertifikaten der Bezeichnung EE01 und EE02. Weitere getestete TÜV-Zertifikate garantieren keinen Zubau.

 

Vorsicht bei RECS-Zertifikaten!

energieStiftung Warentest weist ausdrücklich auf die europäischen RECS-Zertifikate hin, die anhand ihres vielversprechenden Namens in der Lage sind, Biostromkunden zu verwirren. Diese Zertifikate verzeichnen den Zusatz „Renewable Energy Certificate System“. Diese Bezeichnung verleitet die Kunden, anzunehmen, dass Stromanbieter mit dieser Auszeichnung 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien liefern. Bei diesem Ökostromlabel handelt es sich lediglich um einen Herkunftsnachweis. Es versetzt die Energieanbieter in die Lage, konventionellen Strom legal in Biostrom umzuwandeln. Besitzt ein Energieanbieter Wasserkraftwerke in Skandinavien, erhält er für jede Megawattstunde erzeugten Strom ein RECS-Zertifikat. Skandinavien gewinnt aus Wasserkraft so viel Strom, dass deutsche konventionelle Stromanbieter mit den aufgekauften Zertifikaten ihren gesamten Kohle- und Atomstrom umdeklarieren könnten. Nur wenn die Nachfrage nach Ökostrom europaweit steigt, sind RECS-Zertifikate in der Lage, den Bau umweltschonender Kraftwerke anzukurbeln.

 

Der Bericht von Stiftung Warentest weist explizit darauf hin, dass jeder deutscher Stromanbieter, der hauptsächlich konventionellen Strom aus Atom und Kohle produziert, diese Zertifikate aufkaufen und anschließend Tarife für Biostrom anbieten kann.

Biostromanbieter wie Greenpeace Energy setzen an die eigene Stromproduktion strengere Maßstäbe als von den Labeln vorgeschrieben.

 

Ökostrom - Stiftung Warentest: Testsieger

Um von Stiftung Warentest die begehrte Bestnote zu erhalten, müssen Biostromanbieter jedoch mehr tun als nur den Zubau neuer Kraftwerke zu fördern. Initiative ist gefragt:

 

  • Diese fängt bei solchen Kleinigkeiten wie dem kostenlosen Verleih von Energiemessgeräten an 
  • und geht weiter mit einer persönlichen Beratung vor Ort. Berater zeigen ihren Kunden, wie sie ihre Heizanlagen modernisieren können. 
  • Förderprogramme für Privathaushalte sieht Stiftung Warentest gleichfalls gerne. 
  • Pluspunkte vergeben die Tester für so einfallsreiche Förderprogramme wie das Carsharing-Pilotprojekt von Greenpeace Energy mit Elektroautos 
  • Stiftung Warentest bescheinigt dem „Grüner Strom Label“ und dem „Ok-Power Label“ Unbedenklichkeit, da mit diesen Labeln ausgezeichnete Anbieter ihren Strom umweltfreundlich produzieren.

 

Die Tester stützen sich auf einen Bericht aus „Finanztest“ (5/2011). Sie haben nicht bewertet, ob die Anbieter gleichfalls Atom- und Kohlestrom verkaufen oder diese Technologien durch Investments fördern. Die Anbieter sind in zwei Kategorien eingeteilt: in reine Ökostromanbieter und in konventionelle Energieversorger, die neben dem Ökostrom in Atom- und Kohlestrom investieren und diesen vertreiben.

 

Hinsichtlich der Tarifbedingungen vergibt Stiftung Warentest zur Hälfte gute und zur Hälfte befriedigende Noten. Gut sind kurze Kündigungsfristen (vier Wochen) und begrenzte Laufzeiten von maximal einem Jahr.

 

Besonders hinsichtlich Preisgarantie und Bonus sollten Kunden aufmerksam sein und das Kleingedruckte lesen. Viele Anbieter schränken die Preisgarantie gleich wieder ein und reichen Steuererhöhungen und Abgaben an ihre Kunden weiter. Ein Preisvergleich sollte ohne Bonus erfolgen. Nur unter diesen Voraussetzungen können Kunden feststellen, wie viel sie für ihren Strom im zweiten Jahr zahlen müssen.

 

Lichtblick, Greenpeace Energy, Naturstrom, EWS Schönau, Wemag und Entega fördern regenerative Energien mit viel Engagement und werden als Testsieger eingestuft.

 

Die Vertragsbedingungen bezeichnet der Testbericht als gut, die Tarifbedingungen als befriedigend. Der vollständige Bericht zu Biostrom der Stiftung Warentest steht gegen ein geringes Entgelt auf der Homepage zur Verfügung.